“Sing Oper Stirb!” Operette sich, wer kann!
Annette Postel am 22.04.2009 auf Leos Bühne mit Biss… in der Jugendstil-Festhalle in Philippsburg.
Eine große Stimme auf einer großen Bühne: Annette Postel parodiert und inszeniert, überspitzt und amüsiert, brilliert und besticht, mit glasklarem Sopran und als bezaubernde Kabarettistin mit einem durchaus sympathischen Zickencharakter. Doch was wäre eine Zicke ohne einen Mann in Reichweite? Klaus Webel zeigt sich gelassen und schlagfertig im Umgang mit der Operndiva der Kleinkunst und begleitet ihre perfekte Inszenierung mit brillantem Spiel auf dem Flügel.
Es ist die Mischung aus schauspielerischem Talent und ausdrucks-starker Stimme, komischer Tragik und hinreißender Comedy, die ihre Opernparodien so besonders macht. Als betrunkene Königin der Nacht beschwert sie sich über Mozart, der nur zwei Arien für sie komponierte. Dagegen liebt sie Verdis Opern, in dessen Werken der Mann entweder ermordet, besetzt oder nicht ernst zu nehmen ist. Die virtuose Verzierung des klangvollen Soprans mit den Sprachfehlern der Lispelmaus amüsiert. „In jedem Opernhaus nennt man mich Lispelmaus“ verursacht wahre Lachsalven. Und auch vor komödiantischen Mundarteinlagen macht die Sopranistin nicht Halt. Diese Parodien sind hinreißend komisch und brillant interpretiert.
Doch dieses Programm ist nicht nur Unterhaltung, es hat auch Bildungscharakter. So muss der „Akkordarbeiter“ am Klavier lernen, dass die vom Publikum erratene Oper „La Bohème“ nichts mit seinem grandios angesungenen „Bohemian Rhapsody“ gemein hat. Und auch das Publikum wird gefordert. Es ist der Operndiva zu wohl erzogen, sie möchte sich wie in einem Opernhaus fühlen und bittet um Knistergeräusche und Hustanfälle. So entsteht eine unglaubliche Geräuschkulisse, die nur durch diese kristallklare Koloratur durchdrungen werden kann.
Die Frage, was eine Sopranistin auf den Brettern der Kleinkunst macht, erklärt sie dem begeisterten Publikum wie folgt: im Vergleich zur großen Kunst der Oper ist Kleinkunst direkter, konkret, emotional und steuerfrei, doch leider ist das mit der Kleinkunst nicht rentabel, während die große Kunst ewig währt. Ihr Fazit ist klar: „Ich muss mich nicht entscheiden, ich mach es grad mit Beiden.“ Und das macht sie einfach großartig!
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